Dienstag, 20. November 2012

Einstellungen zur Arbeit und ökonomischer Imperialismus

Ich überarbeite gerade ein Papier zum Thema Misanthropie und Ökonomik und bin auf zwei interessante Artikel hingewiesen worden, die sich mit dem Wechsel in den Einstellungen zur Arbeit beschäftigen.

Coleman, D. C. (1956) ‘Labour in the English Economy of the Seventeenth Century’, The Economic History Review, No. 3, pp. 280-295.
Coats, A. W. (1958) ‘Changing Attitudes to Labour in the Mid-Eighteenth Century’, The Economic History Review, No. 1, pp. 35-51.

Insbesondere den Beitrag von Coats (1958) halte ich auch deshalb für interessant, weil er dort zeigte, dass es auch Stimmen gab, die für steigende (Real-) Löhne plädierten. Wer sich dagegen Karl Polanyis Große Transformation durchliest, wird mehr oder minder den Eindruck haben, dass sich die "Minimallohntheorie" (ehernes Lohngesetz) vom ausgehenden 18ten Jahrhundert geradezu bruchlos etablieren konnte. Der Beitrag von Coats (1958) lädt aber ein, dies kritisch zu hinterfragen.

Zwei weitere interessante Beiträge sind:

Ferraro, F., Pfeffer, J., Sutton, Robert I. (2005) ‘Economics language and assumptions: How theories can become self-fulfilling’, Academy of Management Review, No. 1, pp. 8-24.
Fine, B. (2000) ‘Economics Imperialism and Intellectual Progress: The Present as History of Economic Thought?’, History of Economics Review, 32, pp. 10-36.

Ferraro u. a. (2005) gingen in ihrem Beitrag darauf ein, wie die Wirtschaftswissenschaften auf unser Leben wirken können, u. a. mit Bezug auf die Management-Ausbildung.

Ben Fine (2000) klärte über den "alten" Imperialismus der Neoklassik und den "neuen" "wirtschaftswissenschaftlichen Imperialismus" auf, wobei er immer wieder Vergleiche zur Soziologie zog.

Ein Gedanke, der sich beim Lesen von Fines (2000) Beitrag aufdrängt, ist, dass es wohl dieser "Imperialismus" ist, dank dem die Wirtschaftswissenschaften heute nach außen hin so vielseitig wirken: Die informations-theoretische Mikrofundierung der Ökonomik sowie die Überlegungen zum Sozialkapital, die Fine (2000) als charakteristisch für den "wirtschaftswissenschaftlichen Imperialismus" von heute sieht, eröffenen viele Anwendungsmöglichkeiten. Kritisch wäre dann natürlich darauf hinzuweisen, dass Heterogenität oder Vielfalt noch nicht gleichbedeutend mit Interdisziplinarität und Pluralität sind.

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